Files

76 lines
3.5 KiB
Markdown
Raw Permalink Normal View History

---
type: adr
id: "0022"
status: accepted
date: 2026-08-19
supersedes: null
superseded_by: null
related:
- "docs/issues/0099-threadnet-web-12-upstream-sicherheitsfixes-lassen-sich-nicht-m.md"
---
# ADR-0022: Anschluss an Upstream durch einen einmaligen Merge, nicht durch einen geteilten Graft
## Kontext
`ThreadNet-Web` enthält keine Upstream-Historie: Am 2026-05-10 kam ein kompletter
Element-Web-Baum in einem Commit herein. Ohne gemeinsamen Vorfahren ist
`git merge upstream/develop` unmöglich, und jedes Update bedeutet, zwölf eigene Patches
von Hand auf einen neuen Baum aufzutragen. Das ist nicht nur mühsam, sondern gefährlich:
Verschiebt Element eine Datei, verschwinden unsere Zeilen **ohne Konflikt** (#0099).
Am 2026-08-19 wurde der tatsächliche Ursprung gemessen statt geraten: **`deadd548`
vom 2026-05-08** (nicht der Tag `v1.12.17`, wie zuvor angenommen). Der Beleg ist die
Baumdistanz — 43 abweichende Dateien, davon 31 reine Modus-Änderungen und der Rest
unser eigenes Feature.
Im Wegwerf-Klon getestet: Mit gesetztem Vorfahren läuft ein Merge von drei Monaten
`develop` durch und erzeugt **32 konfliktbehaftete Dateien, davon nur vier Quellcode**
genau unsere Patches.
## Optionen
**A: Geteilter Replace-Ref.** `git replace --graft` und `refs/replace/*` mitliefern.
Die Historie bleibt formal unverändert, Git *interpretiert* sie nur anders. Nachteil:
Jeder Klon braucht einen zusätzlichen Fetch, und wer ihn vergisst, sieht eine andere
Historie als alle anderen — ein stiller Unterschied, der sich erst im Konfliktfall
zeigt.
**B: Einmaliger echter Merge**, danach normale Merges.
⚠️ **Praezisierung nach dem Test:** `--allow-unrelated-histories` allein liefert
einen ZWEI-Wege-Vergleich und damit 1757 Konflikte — gemessen. Der Graft ist kein
Gegenentwurf zu B, sondern sein Werkzeug: lokal setzen, den Merge damit rechnen
lassen (32 Konflikte), committen. Der Merge-Commit traegt danach die echten Eltern,
der Graft kann weg, und die Abstammung laeuft ueber den Merge-Commit selbst.
Die Nahtstelle wird ein sichtbarer Merge-Commit. Kein Sonderwissen, kein Zusatzschritt,
kein Klon kann sie versehentlich übersehen.
**C: So weiterarbeiten wie bisher** — Patches von Hand auftragen. Verworfen: Das ist der
Zustand, der die stille Klasse überhaupt erst erzeugt.
## Entscheidung
**Option B** (sorb, 2026-08-19).
Ausschlaggebend ist nicht der Aufwand — beide Wege sind ähnlich billig — sondern die
Sichtbarkeit. A funktioniert nur, solange alle daran denken; B trägt sich selbst. Für
ein Repo, dessen Kernproblem „Git meldet nichts" ist, wäre ein Mechanismus, der
stillschweigend unterschiedlich wirkt, die falsche Wahl.
`deadd548` bleibt trotzdem wichtig: Es ist der Stand, gegen den der Merge gefahren wird,
und ohne diese Messung wäre der Merge auf eine erfundene Grundlage gelaufen.
## Konsequenzen
- Der erste Merge ist ein einmaliger Kraftakt mit vier Quellcode-Konflikten; danach ist
ein Upstream-Update ein gewöhnlicher Merge.
- **Die stille Klasse verschwindet**: Verschiebt Upstream eine Datei, die wir angefasst
haben, meldet Git künftig einen Konflikt, statt unsere Zeilen wortlos fallen zu lassen.
- Die Nahtstelle bleibt als Merge-Commit dauerhaft sichtbar — gewollt, nicht geduldet.
- **Abnahme ist kein Build, sondern ein Funktionstest**: Die ClamAV-Patches liegen in der
Medien-Pipeline. Ohne den Test aus #0099 (verschlüsselte Datei senden, abgelehnte
empfangen) ist der Merge nicht abgenommen.
- Schritt 4 aus #0099 — ein Verfahren zum Auftragen der Patches — wird damit
gegenstandslos.