--- type: adr id: "0021" status: accepted date: 2026-08-19 supersedes: null superseded_by: null related: - "docs/issues/0060-gitops-17-federation-allowlist-or-closed-federation-dec.md" - "docs/issues/0088-gitops-56-networkpolicy-ausgehender-verkehr-ist-unbesch.md" --- # ADR-0021: Föderation wird geschlossen — leere Whitelist statt offener Tür ## Kontext Die Frage stand seit dem 2026-07-28 offen, weil niemand wusste, was eine Schließung kosten würde. Am 2026-08-19 wurde sie gemessen statt geschätzt. **Föderation war offen und öffentlich erreichbar.** In `synapse-values.yaml` stand zu Föderation nichts, es galten die Synapse-Vorgaben; `/_matrix/federation/v1/version` und `/_matrix/key/v2/server` antworteten von außen mit HTTP 200. Dass Port 8448 zu ist, änderte daran nichts: Die Delegation in `/.well-known/matrix/server` führt die Föderation über `matrix.axion1337.chat:443`, denselben Port wie den Client-Verkehr. **Benutzt wurde sie nie.** Über die gesamte Betriebszeit seit dem 2026-04-21, aus der Synapse-Datenbank: **0** Einträge in `destinations`, **0** je erfolgreich kontaktierte Server, **0** fremde Nutzer in den 31 eigenen Räumen, **0** Räume mit fremder Beteiligung. Nicht „wenig", sondern null. Damit ist der Handel nicht „Reichweite gegen Sicherheit", sondern **eine ungenutzte Fähigkeit gegen die größte fremdzugewandte Angriffsfläche, die Synapse hat** — und historisch die, in der seine CVEs sitzen. ## Optionen **A: offen lassen.** Kein Aufwand; dauerhaft Angriffsfläche für null nachgewiesenen Bedarf. **B: `federation_domain_whitelist: []`.** Föderation nur mit ausdrücklich genannten Servern, leer also mit keinem. Eine Zeile, versioniert, in Minuten umkehrbar. Die Endpunkte antworten weiterhin — der Server wird unbeteiligt, nicht unsichtbar. **C: Föderations-Endpunkte am Rand sperren.** Zunächst als „kleinste Fläche" gewählt, dann **verworfen** — beim Umsetzen zeigte sich, dass es die Gruppen-Calls zerstört hätte (siehe unten). ## Entscheidung **Option B.** `federation_domain_whitelist: []` in `gitops:apps/production/custom-configs/synapse-values.yaml`. ## Warum C verworfen wurde — der Teil, der nicht offensichtlich ist Der MatrixRTC-Authorisation-Service (`lk-jwt-service`) prüft OpenID-Tokens über **`/_matrix/federation/v1/openid/userinfo`** — einen Föderations-Pfad. Und er ruft ihn über den **öffentlichen** Namen auf: Das Deployment trägt keine `hostAliases` und `dnsPolicy: ClusterFirst`, `matrix.axion1337.chat` löst also auf die öffentliche IP auf und der Verkehr läuft über Traefik. Wer `/_matrix/federation/` am Ingress sperrt, kappt damit die Token-Prüfung für Gruppen-Calls — **derselbe Ausfall wie beim gelöschten `mrtc`-Record, nur mit anderer Ursache.** Ein Pfad-Block sieht dabei korrekter aus als die Whitelist, weshalb dieser Zusammenhang im Konfigurations-Kommentar festgehalten ist und nicht nur hier. Synapse bedient diesen Endpunkt ohne X-Matrix-Signatur (`REQUIRE_AUTH = False`); die Whitelist greift dort also nicht und darf es auch nicht. ## Konsequenzen - Fremde Server können weder beitreten noch Ereignisse einliefern. Bestehende Räume und Nutzer sind nicht betroffen — es gab keine fremde Beteiligung, die enden könnte. - **Die Fähigkeit ist eine Zeile entfernt**, nicht verloren: Ein Domain-Eintrag öffnet gezielt für einen Partner. Das war der Grund, B gegenüber einem harten Rückbau vorzuziehen. - Die Endpunkte antworten weiterhin von außen. Wer das ändern will, muss **zuerst** den Auth-Service clusterintern an Synapse binden — sonst siehe oben. Das ist ein eigenes Vorhaben mit Call-Abnahme, kein Nebenschritt. - Eine Port-Sperre bei Hetzner kann diese Trennung **nicht** leisten: Föderation und Client-Verkehr teilen sich 443. Die Konfiguration ist die einzige Stelle, an der sie überhaupt trennbar sind.